Hamburg, den 10.04.2013

Kleine Fluchten – Strandhotel in Karlshagen

Auf Usedom erfreuen sich die Kaiserbäder nach wie vor großer Beliebtheit. Allerdings sind diese in der Hochsaison sehr voll, zuweilen auch überlaufen und rummelig. Eine ruhige und preiswerte Alternative bieten die weniger stark frequentierten Orte im nördlichen Teil der Insel, wie zum Beispiel das „Strandhotel“ in Karlshagen.

Es rauscht hörbar, als wir aus dem Auto steigen. Ist es das nahegelegene Meer oder der Wind in den Wipfeln der Bäume? Wohl beides, denn das Hotel hat seinen Standort  mitten im Kiefernwald und nur wenige Meter vom Strand entfernt. Dieser ist hier genauso schön und breit wie in den anderen Seebädern. Allerdings fehlt Karlshagen das Mondäne, obwohl es auch hier einst Strandvillen und eine Promeniermeile gab. Aber um den Ort zu verstehen, muss man ein wenig in die Geschichte eintauchen.

Die Nähe zu Peenemünde, das von den Nazis zum Raketenstandort auserkoren wurde und von wo die „Wunderwaffen“ V 1 und V 2 mit ihren verheerenden Wirkungen gestartet wurden, prägte leider auch den Nachbarort. Denn in ihm wohnten die wissenschaftlichen Mitarbeiter, darunter auch der bekannte Wernher von Braun. Deshalb wurde Karlshagen von der britischen Royal Air Force 1943 in einer Nacht fast vollständig zerstört. Nach der Wende wurde ein Großteil des Ortes neu aufgebaut. „Heute ist Karlshagen von der Charakteristik ganz klar ein Familienbad“, betont Christina Hoba, die Marketingleiterin des Tourismusbüros.

Über Umwege ist auch Andreas Harder hier gestrandet. Der Ostberliner wurde 1961 kurz nach dem Mauerbau geboren. Da der Vater als selbständiger Drogist arbeitete, war es dem Sohn  verwehrt, das Abitur zu machen. Deshalb erlernte er nach der Schule den Beruf des Wirtschaftskaufmanns. „Aber ich wollte einen Beruf mit Kontakt zu den Menschen, weshalb ich eine Ausbildung zum Restaurantfachmann mit Meisterabschluß machte“, fährt er fort. Dies geschah Mitte der 80er Jahre in Berlin-Mitte. Als er zu seiner eigenen Überraschung auf eine Besuchsreise nach München eingeladen wurde, nutzte er die Chance und setzte sich dort von der Delegation ab. Doch kam er in der bayerischen Metropole nicht so gut zurecht, weshalb er nach Hamburg zog und hier zunächst im „Gröninger“ kellnerte. Danach vervollständigte er seinen beruflichen Weg im Hotel Elysée. „Dies war für mich wie eine Reise zum Mond“, sagt er zu dieser für ihn glücklichen Fügung. Hotelfachschule und BWL-Studium folgten, bevor er sich Anfang der 90er mit seinem Arbeitskollegen Thomas Güde selbständig machte.

Jetzt nahmen sie ein Angebot der Treuhand an und übernahmen eine ehemalige FDGB-Jugendherberge in Trassenheide auf Usedom. Die Insel kannte er von früheren Kurzurlauben. „Und da ich gern inmitten der Natur wohne, war dieses Angebot genau richtig“. So wurde er hier schnell heimisch. Erfolgreich modernisierten sie die Unterkunft. Nun wuchs der Wunsch, auch ein anspruchsvolleres Publikum anzusprechen. Die Chance ergab sich, als die Gemeinde in Karlshagen ein Grundstück in optimaler Lage zu vergeben hatte. Andreas und sein Kompagnon griffen zu und errichteten auf dem Grundstück ein Hotel im modernen Bäderarchitekturstil. Eine Berliner Architektengruppe half bei der Einrichtung „mit klaren Formen“, wie der Inhaber sagt. So entstand ein Haus, das alle Generationen anspricht, modern mit Anklängen an Jugendstil und Art Deco.

Außer der Rezeption befindet sich auch das Restaurant „Die Auster“ im Erdgeschoss. Auf den Wandsofas sitzt es sich besonders gemütlich. Die Karte bietet eine reichhaltige Auswahl an Gerichten, wobei der Fisch aus der Ostsee und dem Haff die hiesige Spezialität ist. Diesen gibt es gedünstet oder gebraten auch in der pommerschen Zubereitung, nämlich unter der Kartoffelkruste. Der „klare Fischtopf nach Art des Hauses“ hat Bouillabaisse-Qualität und schmeckt hervorragend. Die preisgünstigen Speisen kommen gut an, wie das viel besuchte Restaurant beweist. Der „Kienapfel“ ist ein gelungener und vor allem gesunder Abschluss. Dabei braucht man einmal nicht auf die Kalorien zu achten, wie es bei den Nachspeisen oft der Fall ist.  Nach dem Abendessen ist der Platz am Kamin beliebt. Die wuchtigen Sofas gruppieren sich darum und laden zum gemütlichen und geselligen Verweilen ein.

Die insgesamt 22 Zimmer unterteilen sich in Doppelzimmer, Giebelstudios und Maisonettewohnungen. In letzteren schläft man unter der schrägen holzgetäfelten Zimmerdecke. Das reich verzierte Bettpaneel gibt dem Ganzen das gewisse Etwas. Der untere Wohnbereich ist mit einem großen, bequemen Ledersofa, kleinem barocken Tisch sowie Sekretär und Art-Deco Stehlampe ausgestattet. Über der Couch unterstreicht das große Bild das Belle Epoque Flair noch ein wenig. Es sind Originalgemälde von Kunststudenten, die  ausgezeichnet zum Gesamtambiente passen.

Wer es also etwas ruhiger, gelassener und kostengünstiger haben möchte, ist hier genau richtig. Und kann, nach Ansicht von Christina Hoba, den schönsten Strand genießen. Sie, die schon in Australien, Südafrika und in der Karibik gewesen ist, schwärmt begeistert: „Nur hier quietscht der Sand unter den bloßen Fußsohlen. Und das ist ein Zeichen für feinste Qualität!“ Und der Strand sei an der Seeseite auch fester als andernorts, so dass man hier sogar problemlos die Kinderkarre schieben kann. „Ich habe es oft genug selbst ausprobiert“, versichert sie.

Übrigens verfügt Karlshagen über den größten Hafen auf der Insel. Von hier können auch Ausflüge auf die Insel Oie gemacht werden. Dort werden den Besuchern bei einer  geführten Wanderung Flora und Fauna nahe gebracht und seltene Vogelarten gezeigt.

Michael Pasdzior - www.hamburg-dia.de

 

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